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milchrind [4-2009]: Klauenhygiene mit System: Reinigen und Desinfizieren

01. November 2009

Die Erkenntnis, dass saubere Klauen einem geringeren Keimdruck und damit auch einem geringeren Infektionsrisiko ausgesetzt sind, hat bewirkt, dass mittlerweile mehrere Hersteller sogenannte Klauenwaschanlagen anbieten. Auf die Kombination von Reinigung und Desinfektion setzt beispielsweise das Klauenhygiene-System von devio.

Die Lauffläche des komplett aus Edelstahl gefertigten Durchtreibe-Reinigungsstandes besteht aus einem rutschfesten Gitterrost (R 13). Die Reinigung der Klauen erfolgt durch sechs Reinigungsdüsen, die mittels einer Pumpe 25m3 Wasser/h mit sanftem Druck versprühen. Das Reinigungswasser wird komplett wiederverwendet. Im zweiten Schritt versprühen zwei Vernebelungsdüsen die Desinfektionslösung über die Klauen. Diese gelangt so auch in das Reinigungswasser, was eine Keimübertragung von Kuh zu Kuh verhindert.

Als Desinfektionsmittel wird das Biozid Agilosan eingesetzt. Es besteht im wesentlichen aus stabilisiertem Wasserstoffperoxid und Silber. Nach der Wirkung (Keimabtötung) zerfällt es in Sauerstoff und Wasser und ist somit in der Natur rückstandslos aufgelöst. Agilosan ist frei von Chlor und anderen giftigen Substanzen. Empfohlen wird eine Agilosan-Dosierung von 0,5% bis maximal 2,5%. Mittels der zu Agilosan gehörenden Teststreifen lässt sich der Agilosangehalt und somit die Keimfreiheit des Reinigungswassers regelmäßig überprüfen.

Das Reinigungswasser sollte nach ca. 500 Durchgängen (Kühen) ausgetauscht werden. Dazu ist die Schnellentleerung zu öffnen, die Gitterroste und die Wanne abzuspritzen. Nach dem Schließen der Klappe befüllt sich die Anlage von selbst und ist, nachdem der Wasserstand die optimale Höhe erreicht hat, wieder betriebsbereit.

Das System wurde im Frühjahr 2009 an der Lehr- und Versuchsanstalt für Viehhaltung Hofgut Neumühle mit Erfolg getestet. Da sowohl Wasserstoffperoxid (Wundspülmittel) als auch Silber (zum Spülen zur Vorbeugung von Bindehautentzündungen) zugelassen sind, stand einer Nutzung von Agilosan im Versuchszeitraum nichts entgegen.

Inzwischen ist auch ein Praxistest auf einem 100-Kuh-Betrieb in der Eifel abgeschlossen. Dort wurden 25 Kühe zufällig ausgewählt und auf Mortellaro bonitiert. Während zu Versuchsbeginn 24 dieser 25 Kühe einen Befund aufwiesen, waren zehn Wochen später nur noch zwei Kühe mit jeweils einer Klaue betroffen. Zurzeit wird das System außerdem im Versuchsstall der FH Bingen sowie an der Lehr- und Versuchsanstalt Grub installiert, so dass im Laufe des nächsten Jahres mit weiteren Testergebnissen zu rechnen ist.

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