Aktuell

dlz - primus rind [02-2011]: Nach dem Baden sauber bleiben

01. Februar 2011

Durch den Einsatz von Klauen­reinigungsanlagen soll der Keimdruck am Fuß reduziert und Krankheiten wie Ballenhorn- und Klauenfäule sowie digitale Dermatitis (Mortellaro‘sche Krankheit) eingedämmt werden. Die Hersteller bewerben die An­lagen speziell zum Zwecke der Reinigung und zum anschließenden oder kombi­nierten Auftragen von Bioziden. Eine dieser Anlagen ist das Devio Klauenhygienesystem Liesl K1 (siehe auch Kasten „Die Anlage“). Sie wurde in zwei Betrieben getestet. Ein Betrieb ist mit einem Automatischen Melksystem (AMS) und der andere mit einem Side-by-Side-Melkstand ausgestattet.

Hier wurden ab Dezember 2009 das Tierverhalten auf der Anlage, die Erfas­sung von Strom- und Wasserverbrauch, die Überprüfung der Funktionsfähigkeit im Dauereinsatz sowie die Entwicklung von Klauenkrankheiten über einen Zeit­raum von insgesamt sieben Monaten untersucht.

Die Herden

Im Juni 2010 wurde eine Anlage in den Betrieb von Petra und Manfred Kögel in Ettringen integriert. Die Ergebnisse dieses Betriebs sollen in diesem Bericht im Fokus stehen. Die 100-köpfige Herde, bestehend aus Holstein- und Braunviehkühen, wurde während eines Pflegetermins hinsichtlich Klauenkrankheiten beurteilt und dann in eine Kontroll- und eine Versuchsgruppe unterteilt. Nur so können äußere Einflüsse auf das Krankheitsgeschehen beurteilt und abgegrenzt werden. Die im gleichen Stall durch Steuerungselemente getrennten Gruppen schritten zweimal täglich vor dem Vorwartebereich des Side-by-Side-Melkstands an der Reinigungsanlage vor­ bei beziehungsweise darüber. Die Anlage startete nach einer Ein­gangsuntersuchung. Es wurde nach der Klauenreinigung das Biozid Agilosan P5 in siebenprozentiger Endkonzentration aufgesprüht. Nach der zweiten Erfassung der Klauengesundheit drei Wochen später wurden die Klauen der Versuchsgruppe vorübergehend nur gewaschen. Nach der dritten Erfassung – wiederum drei Wochen später – sprühte die Anlage anschließend wieder regelmäßig Agilosan P5 in dreipro­zentiger Lösung auf. Danach konnte auch die Kontrollgruppe mit in die regelmä­ßige Klauenreinigung und -hygienisierung einbezogen und die gesamte Herde einer Untersuchung im Oktober unterzogen werden. Aufgrund der erneut relativ ho­hen Erkrankungsrate mit Mortellaro‘scher Krankheit erfolgte ab diesem Zeitpunkt wieder der Einsatz von sieben Prozent Agilosan P5. Die Abschlussuntersuchung erfolgte im November 2010. Gleichzeitig fanden im Rahmen von Fokustests der DLG Untersuchungen hinsichtlich der Reinigungswirkung der Waschung sowie der Keimreduktion durch die anschlie­ßende Benetzung mit siebenprozentigem Agilosan P5 statt.

...

Fazit

Saubere Klauen sind eine ­wesentliche Voraussetzung für die Wirksamkeit von Pflegemitteln. Deshalb ist die nachge­wiesene Reinigungswirkung des Klau­enhygienesystems als Grundlage für die anschließende Anwendung eines Biozids anzusehen. Reines Waschen mit stets wieder verwendetem, gefiltertem Wasser gewährleistete jedoch keine aus­ reichende Prophylaxe in diesem von der digitalen Dermatitis betroffenen Betrieb.
Die Abhängigkeit der Dermatitis digitalis von äußeren Einflüssen, wie Haltungsumgebung, Kuhkomfort (vor allem Liegeboxen) und Umgebungs­hygiene, und wahrscheinlich auch von genetischen Komponenten macht es so schwierig, die Krankheit vollkommen einzu­dämmen. Die Klauenhy­giene durch ein ­automatisches Klauenreinigungs­system kann einen Bekämpfungsfaktor darstellen, der regelmäßige Klauenpfle­ge (in betroffenen Betrieben unbedingt dreimal jährlich), gezielte Einzeltierbe­handlung, regelmäßige Kontrolle eines hohen Kuhkomforts und optimale Tier­beobachtung ergänzt.

Lesen Sie hier den vollständigen Artikel, erschienen in der dlz - primus rind im Februar 2011.

[ zurück zur Übersicht ]