Kostenfaktor Tiergesundheit
Moderne Milchkühe sind wie Hochleistungssportler – sie benötigen beste Bedingungen bei Haltung, Fütterung, Komfort und Betreuung, um die gewünschten Höchstleistungen auf Dauer erbringen zu können, ohne dabei krank zu werden.
Das heißt, mit steigender Milchleistung steigen auch die Ansprüche an Fütterung, Haltung und Management – Defizite führen zu einer Verschlechterung der Herdengesundheit und damit zu enormen finanziellen Verlusten im landwirtschaftlichen Betrieb.
In den vergangenen Jahren haben Klauenerkrankungen dramatisch zugenommen. Trotz Verbesserungen in Haltung, Fütterung und Komfort nimmt die Häufigkeit der Lahmheit bei Rindern immer noch zu. In Europa gehen ca. 25% der Tiere eines Bestandes einmal im Jahr lahm. 12% der Kühe, über die Aufzeichnungen gemacht werden, werden wegen einer Lahmheit sogar geschlachtet. Das vorzeitige Ausscheiden von Milchkühen, aufgrund von Erkrankungen der Klauen und Gliedmaßen, hat nach Dr. W. Feucker [Feucker, M.E., 2005] bereits Rang 3 unter den krankheitsbedingten Abgängen erreicht. Die Erkrankungen der Klauen haben daher große ökonomische und nicht zuletzt auch tierschützerische Bedeutung.
Ein von der Europäischen Union gebildetes Gremium zur Verbesserung der Klauengesundheit hat den Schaden, der EU-Landwirten durch Lahmheiten bei Rindern entsteht, mit über 1 Milliarde Euro angegeben.
Ursachen für Lahmheiten bei Rindern liegen zu mehr als 90 % in Erkrankungen der Klauen und der Haut um die Klauen. In der Bestandsbetreuung von Milchviehherden stellt deshalb der Erhalt der Klauengesundheit eine der wichtigsten Maßnahmen zur Erhaltung der Herdengesundheit dar.
Klauenkrankheiten, wie Dermatitis digitalis (Mortellaro'sche Krankheit), beeinflussen Milchkühe in Verhalten und Bewegung und wirken sich so negativ auf die Milchleistung und die Fruchtbarkeit der Tiere aus. Neuere Untersuchungen der FH Bingen zeigen auf, dass 60% aller Milchviehbetriebe mit Mortellaro infizierte Herden haben. Durch Mortellaro-Befall kann ein Betrieb einen Verlust an Milchleistung von bis zu 20% erleiden.
Beispiel:
Bei einer Herdengröße von 100 Kühen und einer Milchleistung von 10.000 kg / Jahr bedeutet das einen Milchverlust von 200.000 kg / Jahr.
Der derzeitige Milchpreis von 0,25 € / kg bringt dem Landwirt damit einen Verlust von 50.000,- € / Jahr.
Und hier sind weitere wirtschaftliche Auswirkungen, wie negative Beeinflussung der Fruchtbarkeit und zusätzliche Kosten für Tierarzt und Klauenpfleger noch nicht berücksichtigt. Fachleute schätzen die mittleren Gesamtkosten für lahme Kühe auf ca. 600,- € pro Kuh [Dr. Heimberg, LWK NRW, 2009].
Die Tiergesundheit wird von Experten als eine maßgebliche und ökonomisch relevante Zielgröße bei der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung gesehen. Maßnahmen, die zu einem verbesserten Gesundheitsstatus im Stall führen, sind keine Kostenfaktoren sondern Rentabilitätsfaktoren, da mit einem hohen Gesundheitsstatus eine zusätzliche Wertschöpfung erzielt werden kann.
Wesentliche Maßnahmen zur Gesunderhaltung der Klauen sind
trockene und saubere Laufgänge
trockene und saubere Liegeboxen
optimale Position des Nackenringes
optimale Reinigung und Desinfektion der Klauen.
Ein Landwirt, der rentabel Milch produzieren will, kann sich keine kranken Kühe mehr leisten. Unabhängig von der Größe des landwirtschaftlichen Betriebes sollte ein hohes Maß an Tiergesundheit sichergestellt werden.