Klauenkrankheiten bei Milchkühen
Lahmheiten werden in erster Linie durch Klauenkrankheiten verursacht. Sie lassen sich in nicht-infektiöse und infektiöse Krankheiten einteilen.
Nicht-infektiöse Klauenkrankheiten
Bei den nicht infektiösen Klauenkrankheiten nehmen die oberflächlichen und tiefen Geschwüre der Sohlenlederhaut eine zentrale Stellung ein. Eine Vielzahl nicht-infektiöser Klauenkrankheiten entsteht als Komplikation der chronischen Klauenrehe. Im Verlauf einer Klauenrehe kommt es zu einem Absinken des knöchernen Klauenbeines innerhalb des Hornschuhs. Es kommt zu Quetschungen der empfindlichen Lederhaut, die wiederum Durchblutungs- und Diffusionsstörungen zur Folge haben. Die Hornbildung wird gestört, was anlässlich eines Klauenschnitts nach etwa sechs Wochen durch gelbliche und rötliche Verfärbungen des Sohlenhorns (Bluteinschlüsse) oder dessen bröckelige Konsistenz (Doppelsohlenbildung) zu erkennen gibt.
[Quelle: Kerstin E. Müller, Tilmann G. Eilers, 2008]
Infektiöse Klauenkrankheiten
Infektiöse Klauenerkrankungen betreffen in aller Regel die empfindlichen Hautpartien im Zwischenzehen- und Ballenbereich und beeinflussen die angrenzende Hornbildungsschicht. Die am meisten verbreiteten infektiösen Klauenkrankheiten sind die Dermatitis interdigitalis, die Dermatitis digitalis oder Mortellaro'sche Krankheit und die Phlegmona interdigitalis.
[Quelle: Kerstin E. Müller, Tilmann G. Eilers, 2008]
Dermatitis interdigitalis (Ballenhornfäule und Klauenfäule)
Die Ballenhornfäule beeinträchtigt im Gegensatz zur Erdbeerkrankheit das Hornwachstum, führt zu zerklüfteten, z.T. stark geschwollenen Ballen und riecht charakteristisch faulig. Die Hintergliedmaßen sind meist stärker betroffen. Diese durch Bakterien hervorgerufene überschießende Hornproduktion am Ballen wir durch feuchtes, warmes Stallklima begünstigt. Das harte Sohlenhorn schiebt sich über den durch die zersetzenden Enzyme der Bakterien stark veränderten Ballen. Es kommt zur Taschenbildung, die Keime finden darin hervorragende Lebensbedingungen.
Die Klauenfäule ist im Zwischenklauenspalt zu finden. Auch hier spielen die genannten Bakterien eine zentrale Rolle. Dazu müssen jedoch auch hier Feuchtigkeit, unsaubere Bodenverhältnisse und mangelnder „Cow-Comfort“ die Vorarbeit leisten. Die Haut im Zwischenklauenspalt weicht auf, Keime dringen ein, Gewebe beginnt abzusterben. Tylome sind auf der Oberfläche häufig betroffen.
[Quelle: Andrea Fiedler, 2007]
Dermatitis digitalis (Mortellaro‘sche Krankheit, Erdbeerkrankheit)
Diese höchst schmerzhafte Hauterkrankung tritt meist als runde bis ovale, stark gerötete und von einem Wulst umgebene Läsion auf. Doch auch wuchernde, sog. proliferative, warzenartige Veränderungen werden in manchen Beständen beobachtet. Die überwiegend an den Hintergliedmaßen anzutreffende Lokalisation befindet sich meist am Übergang zwischen Kronsaum und Ballen und in der Fesselbeuge. Die Ausmaße schwanken zwischen Erbsen- und Handflächengröße.
Es handelt sich um eine Mischinfektion mit verschiedenen, charakteristischen Keimen. Zum Ausbruch kommt diese ansteckende Krankheit jedoch nur im Zusammenhang mit Stressfaktoren, die die körpereigene Abwehr senken. Eine zu hohe Feuchtigkeit, sowohl auf der Lauf-/Standfläche als auch die Luftfeuchtigkeit, führen zu erhöhtem Keimdruck. Weitere Stressfaktoren, die das Tier „schwächen“, können krankheitsbedingt sein oder vom Herdenmanagement abhängen (z.B. IBR/BVD-Infektionen; Rangkämpfe; mangelnder „Cow-Comfort“). Betroffen sind dann meist mehrere Tiere einer Herde, die Läsionen sind groß und äußerst schmerzhaft.
[Quelle: Dr. Andrea Fiedler, 2007]
Phlegmona interdigitalis (Zwischenklauennekrose, Akute interdigitale Nekrobazillose, Panaritium)
Diese Erkrankung ist definiert als eine akut verlaufende, phlegmonöse Entzündung des Zwischenzehengewebes unter Einbeziehung tiefer gelegener Strukturen, die mit hyper- bis parakeratotischen Veränderungen des Ballenhorns einhergeht. Espinasse et al. (1984) und Dirksen (2002) sprechen von sekundärer Ausbreitung der Dermatitis interdigitalis, die ebenfalls durch eine Entzündung der Haut des Zwischenklauenspaltes definiert ist, jedoch sind bei der Dermatitis interdigitalis keine tiefer gelegenen Strukturen betroffen. Die Zwischenklauennekrose ist weltweit stark verbreitet und tritt hauptsächlich während der Stallhaltungsphase auf. Bei Tieren in Anbindehaltung sind in erster Linie die Klauen der Hintergliedmaßen betroffen, während bei Tieren im Laufstall deutlich häufiger auch Fäuleerscheinungen an den Vorderbeinen zu beobachten sind. Häufig erkranken mehrere Tiere eines Bestandes nacheinander. Von einer auffallenden Häufung wurde bei Färsen und Kühen rund um den Zeitpunkt der Geburt sowie bei Mastrindern berichtet (Dirksen 2002). Durch sachgerechte Klauenpflege kann über eine Erhöhung des Ballenbereiches diese Erkrankung auf einem niedrigen Niveau gehalten werden (Toussaint Raven 1998).
[Quelle: www.intervet.de]
Weitere Informationen
DLG-Leitfaden „Klauenkrankheiten“ – Praxisanleitung für eine sichere Diagnose (www.dlg.org)