Kostenfaktor Klauengesundheit

Moderne Milchkühe sind wie Hochleistungssportler. Sie benötigen beste Bedingungen hinsichtlich Haltung, Fütterung und Management, um die gewünschten Höchstleistungen auf Dauer, ohne krank zu werden, erbringen zu können. Defizite führen zu einer Verschlechterung ihrer Gesundheit und damit zu finanziellen Verlusten.

In den vergangenen Jahren haben Klauenerkrankungen deutlich zugenommen. Sie sind nach Fruchtbarkeitsstörungen und Eutererkrankungen die dritthäufigste Abgangsursache. Laut dem europäischen Institut für profitable Milchproduktion hat ein von der Europäischen Union gebildetes Gremium von Fachleuten für eine verbesserte Klauengesundheit den Schaden, der durch Lahmheiten den Milchrinderhalter im EU-Raum entsteht, mit mehr als 1 Milliarde Euro beziffert.

Bei der Bestandsbetreuung von Milchviehherden stellen daher die Verbesserung und der Erhalt der Klauengesundheit wichtige Maßnahmen zur Erhaltung der Herdengesundheit dar. Besondere Bedeutung kommt den infektiösen Klauenkrankheiten Mortellaro (Erdbeerkrankheit, Dermatitis digitalis), Klauenfäule (Dermatitis interdigitalis) und Panaritium (Zwischenklauenphlegmone, Phlegmona interdigitalis) zu. Auch Sekundärinfektionen wie infektiöse Lederhautentzündung, Abzesse und Wundinfektionen sind nicht zu vernachlässigen.

Neuere Untersuchungen der Fachhochschule Bingen zeigen auf, dass 60 Prozent aller Milchviehbetriebe mit Mortellaro infizierte Herden haben, so die landwirtschaftliche Fachzeitschrift Alcovit. Durch Mortellaro-Befall könne ein Betrieb einen Verlust an Milchleistung von bis zu 20 Prozent erleiden. Das luxemburgische Blatt: "Bei einer Herdengröße von 100 Kühen und einer Milchleistung von 10.000 kg/Jahr bedeutet das einen Milchverlust von 200.000 kg/Jahr. Der derzeitige Milchpreis von 0,25 €/kg bringt dem Landwirt damit einen Verlust von 50.000 €/Jahr. Und hier sind weitere wirtschaftliche Auswirkungen, wie negative Beeinflussung der Fruchtbarkeit und Kosten für Tierarzt und Klauenpfleger nicht berücksichtigt."

Nach Prof. Kerstin Müller von der Klinik für Klauentiere an der Freien Universität Berlin und Tierarzt Tilmann Eilers bewegen sich die durchschnittlich pro Lahmheitsfall entstehenden Kosten zwischen 130 und 600 Euro. Diese Kosten setzen sich zusammen aus Behandlungskosten, Einbußen in der Milchleistung, Verlusten durch verlängerte Zwischenkalbezeiten, Kosten infolge vorzeitiger Merzung, Schlachtverluste und Aufwendungen durch vermehrten Arbeitsanfall. Die Einkommenseinbußen entstehen bereits zu einem Zeitpunkt, zu dem die Lahmheit für den Landwirt noch gar nicht erkennbar ist. Schätzungen zufolge ließen sich durch Früherkennung bundesweit etwa 60 Millionen Euro jährlich einsparen.

Bei den häufigsten infektiösen Klauenerkrankungen handelt es sich um multifaktorielle Krankheiten, die durch gleichzeitiges Einwirken von Krankheitserregern, mangelnde Haltungsbedingungen (Liegeflächen, Laufgänge), falscher Fütterung (Rohfaser, Futterqualität), tiereigenen Faktoren (Genetik, Immunsupression) und ungenügender Klauenhygiene entstehen. Um langfristig eine gute Klauengesundheit zu erreichen, gilt es jeden einzelnen Aspekt zu berücksichtigen. Das schwächste Glied in der Kette entscheidet über den Erfolg. Folgende Anforderungen sollten erfüllt werden:

  • gute Stalldurchlüftung
  • genügend Liegeflächen
  • gepflegte Hoch- und Tiefboxen
  • optimale Nackenriegeleinstellung
  • saubere und trockene Laufgänge
  • ausgewogene Fütterung
  • genügend Abwehrkräfte
  • optimierte Genetik
  • regelmäßige Klauenpflege
  • gezielte Klauenreinigung und -desinfektion

Der Erhalt der Klauengesundheit ist nicht nur ein Kostenfaktor, sondern auch ein Rentabilitätsfaktor. Denn ein Betrieb, der rentabel Milch produzieren will, kann sich keine kranken Kühe leisten. Gesunde Kühe produzieren mehr Milch und steigern den Geldertrag. Gezielte Klauenhygiene trägt dazu nicht unerheblich bei.